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Christian´s kleine Geschichte vom Sehen

Ursprünglich waren wir ja ein Bodentier. Im Grunde haben alle Bodentiere das gleiche Problem: sie werden von der durchaus berechtigten Sorge geplagt, angegriffen und gefressen zu werden. Deshalb sind die Augen so angeordnet, dass man in möglichst viele Richtungen gleichzeitig sehen kann.

Stellen Sie sich eine Kuh vor, oder ein Pferd. Ein Auge guckt komplett nach rechts, das andere komplett nach links. Beide sind so ausgerichtet, dass das Pferd seitlich möglichst viel sehen kann. Ein Mensch hingegen kann seitlich sehr schlecht sehen, beide Augen sind nach vorne gerichtet und können vor allem gut nach geradeaus blicken.

Diese unbekannte Schöne hat das weite Land gut im Blick. Aber eben nicht  nach vorne.

Sie haben da sicher noch nie so richtig darüber nachgedacht: wir Menschen können mit dem linken Auge das gleiche ansehen wie mit dem rechten Auge. Einem Pferd wird das nie gelingen. Während Sie mit Ihren beiden Augen gleichzeitig auf diesen Bildschirm gucken könnte ein Pferd das gleiche nur entweder mit dem rechten, oder mit dem Linken Auge machen.

Unser Tier, welches auf dem Baum saß und flüchten wollte, musste beide Augen ein wenig nach vorne verschieben. Nur so konnte es den Ast mit beiden Augen gleichzeitig sehen. Und das ist eben zwingend nötig, wenn man ein räumliches sehen braucht um Entfernungen zum nächsten Ast richtig abschätzen zu können. Damit man nicht zu weit oder zu kurz springt.

Die Augen ein wenig nach vorne wachsen lassen ,damit beide Augen sich den gleichen Gegenstand ansehen können, ist eine Sache. Aus dem Gesehenen die Entfernung richtig ableiten zu können, eine andere. Also muss auch wieder ein neues Gehirn her, eines, welches auf räumliches Sehen spezialisiert ist.  Das Sehzentrum wurde geschaffen.

Andere Dinge waren nicht unbedingt nötig, musste dieses Sehzentrum nicht neu lernen. Nahrung suchen, zum Beispiel. Das konnten wir vorher auch schon gut. Oder ein Weibchen suchen und eine Familie gründen. Das haben wir alles mit unseren Augen früher auch schon gemacht, da brauchen wir kein neues Gehirn für, das machen wir mit „den alten“ Gehirnbereichen.

Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Noch heute geht das Kabel (der Nervenstrang, der die gesehenen Informationen transportiert) von den Augen nicht nur in das Sehzentrum hinein - wo wir inzwischen sehr viel mit machen, nicht nur klettern und springen. Nein, dieses Kabel geht weiter in verschiedene andere Gehirnbereiche, die auch noch „mit gucken tun“. Ein Bereich (Gehirnteil) achtet vor allem auf Bewegung. Denn Bewegung kann Gefahr bedeuten, jeder Angreifer, der uns fressen will, kommt doch erst einmal angelaufen. Und wenn wir die Bewegung sehen, sehen wir auch die Gefahr.

Wenn das nächste mal ein besonders lustiger Zeitgenosse „buh“ ruft und auf Sie zugesprungen kommt, damit sie sich erschrecken, denken Sie daran: Sie erschrecken sich nicht so sehr wegen dem „Buh“ sondern wegen der Bewegung. Für das Erschrecken ist in Ihrem Kopf ein uralter Gehirnteil zuständig, den wir schon zur Verfügung hatten, damals als wir noch ein Tier in der Steppe waren.

Dieser Gehirnteil ist so alt, dass er für den heutigen Humor noch nicht so viel Verständnis hat. Und deshalb können Sie auch nicht anders als sich zu erschrecken.

Das Kabel von den Augen geht übrigens auch noch in einen anderen Gehirnteil weiter, der noch älter ist,was das Gesehene nach den Grundbedürfnissen essen, trinken und Fortpflanzung auswertet. Und wenn Sie etwas leckeres sehen, gleich ob zu essen, zu trinken oder ein leckerer Geschlechtspartner, dann können Sie sich nicht dagegen wehren: es klingelt in Ihrem Kopf.

Ob Sie etwas daraus machen oder nicht, entscheiden die anderen Gehinteile dann natürlich mit. Nur weil Sie diesen alten Gehirnteil klingeln hören, werden Sie heute sicher nicht auf die Idee kommen, jemand anderem die Pommes weg zu nehmen nur weil diese so lecker aussieht. Und ob Sie Ihre Frau betrügen, nur weil Sie da was nettes anderes gesehen haben, steht auch auf einem anderen Blatt.

Ach ja, die Sache mit dem Unterbewusstsein... Und warum das Gehirn so funktioniert wie es funktioniert... und was das Sehen so unglaublich genial macht, das will ich Ihnen auf den nächsten Seiten alles noch mal kurz erzählen.

das Gehirn und seine neuste Erfindung: das Bewusstsein

weitere Kapitel: Christians kleine Geschichte vom Sehen

Inhalt:
Das unsichtbare Licht: über Röntgen, Infrarot und UV
Das unsichtbare Licht: warum können wir es nicht sehen ?
Das unsichtbare Licht: über den Menschen und die Natur
Das sichtbare Licht: empfindlich oder nicht
Warum gehört unser Fühlen und die Farbe zusammen ?
Welchen Nutzen hat die Farbe für Sie ? Von der Zauberei bis zur Angst
Warum wirkt die Farbe auf die Psyche ? Und wie funktioniert das ?
die Bedeutung des Lichtes
die Evolution, unser Gehirn und ein Fisch
von lernenden Fischen, Schülern und Krokodilen
die Nachteile unseres Gehirnes
das Sehzentrum, das Unterbewusstsein - und ein Baum
von Kühen, Pferden und dem räumlichen Sehen
das Gehirn und seine neuste Erfindung: das Bewusstsein
ein Gehirnlappen und seine Illusionen
das Unterbewusstsein: ein Gehirn hat ein Konflikt mit sich selber
das Auge: eine sehr schlechte Kamera ?
von Pfeilchen und Infekten: die Schutzmechanismen des Auges
der Tränenfilm: unerwartet genial
der Tränenfilm: vom Heulen bis zum Wunderheiler
die dunklen Geheimnisse eines Augenoptikers
Tränenfilm und Kontaktlinse: die Grundlage der Gesundheit
die Hornhaut: Stabilität ist alles
die Hornhaut: warum das Lasern Nachteile hat
das Kammerwasser: ein Zauberwasser
die Iris: was ist mit der Pupille ?
der Lochblenden-Effekt mit der Pupille: ein gutes Stück Magie
die Iris: zwischen Handauflegen und Früherkennung
die Iris: soziales HighTec
die Linse: von einem Plastikbeutel mit Muskeln
vom Muskel-drücken zur bestmöglichen Brille
Optiker lösen das Problem Sekundenschlaf
vom leichteren Lernen und besserer Konzentration
vom grauen Star und grünen Star - und der Operation
vom Glaskörper, gut und böse
die Netzhaut, der Knackpunkt det janzen
die Netzhaut, geschickt verknotet
die Netzhaut, Details die keiner will
das Sehen bei Nacht
die Hell/Dunkel Adaption. Und ihre Gefahren.
Papille und Blinder Fleck
Backstage: da geht es rund !
Backstage: korrigieren, regulieren, optimieren und etwas Zaubern
genial: blind sein und es nicht merken
was den Menschen zum Menschen macht

copyright Christian Berndt, Altena.  Alle Rechte vorbehalten

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