| Sie haben da sicher noch nie so richtig darüber nachgedacht: wir Menschen können mit dem linken Auge
das gleiche ansehen wie mit dem rechten Auge. Einem Pferd wird das nie gelingen. Während Sie mit Ihren beiden Augen gleichzeitig auf diesen Bildschirm gucken könnte ein Pferd das gleiche nur entweder mit dem rechten, oder mit dem Linken Auge machen.
Unser Tier, welches auf dem Baum saß und flüchten wollte, musste beide Augen ein wenig nach vorne verschieben. Nur so konnte es den Ast mit beiden Augen gleichzeitig sehen. Und das ist eben zwingend nötig, wenn man ein räumliches sehen
braucht um Entfernungen zum nächsten Ast richtig abschätzen zu können. Damit man nicht zu weit oder zu kurz springt.
Die Augen ein wenig nach vorne wachsen lassen ,damit beide Augen sich den gleichen Gegenstand ansehen können, ist eine Sache. Aus dem Gesehenen die Entfernung richtig ableiten zu können, eine andere. Also muss auch wieder ein neues Gehirn her, eines, welches auf räumliches Sehen spezialisiert ist. Das Sehzentrum wurde geschaffen.
Andere Dinge waren nicht
unbedingt nötig, musste dieses Sehzentrum nicht neu lernen. Nahrung suchen, zum Beispiel. Das konnten wir vorher auch schon gut. Oder ein Weibchen suchen und eine Familie gründen. Das haben wir alles mit unseren Augen früher auch schon gemacht, da brauchen wir kein neues Gehirn für, das machen wir mit „den alten“ Gehirnbereichen.
Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Noch heute geht das Kabel (der Nervenstrang, der die gesehenen Informationen transportiert) von den Augen nicht
nur in das Sehzentrum hinein - wo wir inzwischen sehr viel mit machen, nicht nur klettern und springen. Nein, dieses Kabel geht weiter in verschiedene andere Gehirnbereiche, die auch noch „mit gucken tun“. Ein Bereich (Gehirnteil) achtet vor allem auf Bewegung. Denn Bewegung kann Gefahr bedeuten, jeder Angreifer, der uns fressen will, kommt doch erst einmal angelaufen. Und wenn wir die Bewegung sehen, sehen wir auch die Gefahr.
Wenn das nächste mal ein besonders lustiger Zeitgenosse
„buh“ ruft und auf Sie zugesprungen kommt, damit sie sich erschrecken, denken Sie daran: Sie erschrecken sich nicht so sehr wegen dem „Buh“ sondern wegen der Bewegung. Für das Erschrecken ist in Ihrem Kopf ein uralter Gehirnteil zuständig, den wir schon zur Verfügung hatten, damals als wir noch ein Tier in der Steppe waren.
Dieser Gehirnteil ist so alt, dass er für den heutigen Humor noch nicht so viel Verständnis hat. Und deshalb können Sie auch nicht anders als sich zu erschrecken.
Das Kabel von den Augen geht übrigens auch noch in einen anderen Gehirnteil weiter, der noch älter ist,was das Gesehene nach den Grundbedürfnissen essen, trinken und Fortpflanzung auswertet. Und wenn Sie etwas leckeres sehen, gleich ob zu essen, zu trinken oder ein leckerer Geschlechtspartner, dann können Sie sich nicht dagegen wehren: es klingelt in Ihrem Kopf.
Ob Sie etwas daraus machen oder nicht, entscheiden die anderen Gehinteile dann natürlich mit. Nur weil Sie diesen
alten Gehirnteil klingeln hören, werden Sie heute sicher nicht auf die Idee kommen, jemand anderem die Pommes weg zu nehmen nur weil diese so lecker aussieht. Und ob Sie Ihre Frau betrügen, nur weil Sie da was nettes anderes gesehen haben, steht auch auf einem anderen Blatt.
Ach ja, die Sache mit dem Unterbewusstsein... Und warum das Gehirn so funktioniert wie es funktioniert... und was das Sehen so unglaublich genial macht, das will ich Ihnen auf den nächsten Seiten alles noch mal
kurz erzählen.
das Gehirn und seine neuste Erfindung: das Bewusstsein |