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Ja doch, ja doch. Es geht immer noch um das Sehen. Man kann es aber am besten verstehen wenn man die Entstehung des Gehirnes begreift. Deshalb: haben Sie bitte etwas Geduld. Schauen wir erst einmal, wie das mit dem Lernen ist.
Jeder Schüler weiss doch, wie unendlich schwer es ist, in sein vorhandenes Gehirn neue Dinge hinein zu bekommen. Wenn man nur ein kleiner Fisch ist, dann hat man es noch viel schwerer. Unser Fisch hat nun etwas ganz geschicktes gemacht: anstatt
sich die neuen Sachen in das alte, vorhandene Gehirn hinein zu stopfen, entwickelte er einfach ein zweites Gehirn. Dieses zweite Gehirn musste die neuen Sachen aufnehmen und lernen. Das alte Gehirn brauchte er dadurch erst gar nicht groß umbauen, es konnte ja schon alles, was es so können muß:fressen, sex machen und den Nachwuchs großziehen. Und daran musste sich nichts ändern. Das neue Gehirn konnte in der Zwischenzeit lernen, wie man sich an Land orientiert, wie man läuft und vieles mehr.
So nach und nach lernte er immer mehr und irgendwann war der Fisch kein richtiger Fisch mehr. Einige seiner Kollegen lernten das Fliegen und wurden Vögel, andere wurden groß, dick und kräftig und wurden Dinosaurier.
Und später einmal - Sie ahnen es bereits - wird auch der Mensch daraus entstehen. Aber soweit sind wir noch nicht, das dauert noch etwas.
Dieser Trick mit dem neuen, zusätzlichen Gehirn ist durchaus genial. Man kann schnell und relativ unkompliziert neue
Fähigkeiten erlernen, ohne vorhandene Gehirne erst umbauen zu müssen. Und immer wenn eine komplizierte, neue Fähigkeit benötigt wurde, machte man es genauso.
Es würde übrigens auch anders funktionieren: andere Tiere scheinen es anders gemacht zu haben. Man kann durchaus neue Dinge in ein alten Gehirn einlagern. Besonders wenn man bereit ist, inzwischen überflüssig gewordene Fähigkeiten über Bord zu werfen.
Das Krokodil scheint so ein Tier zu sein. Das riesige Tier hat nur ein
Gehirn so groß wie ein Daumen. Es scheint verschiedene Programme zu haben, die fest vorgegeben sind. Wenn das Krokodil im Programm „Brutpflege“ ist, reagiert es komplett anders, als wenn es im Programm „Jagt“ ist. Wenn Sie beispielsweise mit Sicherheit wüsten, daß ein Krokodil gerade im Programm „Brutpflege“ ist, könnten Sie ohne sorge in der unmittelbaren Nähe baden und plantschen. Ihnen würde nichts passieren, solange Sie nur dem Nest nicht zu nahe kommen. Wäre das Krokodil im Programm
„Jagt“ hätten Sie in der gleichen Situation schlicht keine Chance.
Mit seinem Gehirn verfügt das Krokodil über keinerlei Möglichkeiten zu lernen. Krokodile sind nicht in der Lage aus den eigenen Fehlern zu lernen und es beim nächsten Mal besser zu machen.
Ich erlebte einen erfahrenen Krokodilzüchter und Pfleger, der führte gerne diesen Trick vor: während das Krokodil an seinem Lieblingsort an der Sonne lag und döste, sprang er im Gehege in das Wasser. Und dann passierte immer
das gleiche: vom lauten platschen geweckt, brauchte das Krokodil sehr lange, um sich auf die neue Situation einzustellen und vom Programm „dösen“ auf das Programm „jagt“ umzustellen. Dann ging es endlich in das Wasser, schwamm einen sehr ungeschickten Weg, um die vermeintliche Beute zu erlegen. Der Mann hatte das Wasser nun natürlich längst schon wieder verlassen und sich in Sicherheit gebracht.
Dieser Trick funktionierte nur, weil das Krokodil keine Möglichkeiten hatte, aus
vergangenen Erfahrungen zu lernen. Dieser Mann machte diesen Trick nun schon über hundert mal und ein lernendes Tier würde sich sagen: das nächste Mal bin ich geschickter. Ich lege mich besser hin damit ich schneller im Wasser bin, schwimme einen anderen Weg zu meiner Beute, lege mich vielleicht sogar auf die Lauer. Der Mann aber kann sein Leben darauf verwetten, daß das Krokodil immer exakt gleich reagiert. Und das tut er schon seit Jahren.
Im nächsten Bereich erzähle ich Ihnen etwas
über die Schrecksekunde. Und über die Nachteile des menschlichen Gehirnes - wo ein Krokodil uns überlegen ist.
die Nachteile unseres Gehirnes |