| Erst, wenn man in Ruhe darüber nachdenkt, erscheint es erstaunlich, das es doch einige Lebewesen gibt die nicht lernen können. Und natürlich können Sie das Krokodil als dumm bezeichnen, im menschlichen Sinne ist es das sicher auch. Aber denken Sie bitte daran daß so ein Krokodil in seinem Bereich ein grandios erfolgreiches Tier ist. Ein erstklassiger Jäger, hervorragend an sein Umfeld angepasst und so erfolgreich, daß es sich seit Millionen
von Jahren nicht wesentlich weiter entwickeln musste.
Sein ungewöhnlich kleines Gehirn kann exakt das, was es können muss. Sicher kein bisschen mehr als das. Aber gerade weil es eben klein ist und nichts überflüssiges beinhaltet, ist es hoch optimiert, braucht nicht viel Energie, ist leistungsfähig und super schnell.
Im Vergleich zu uns Menschen fällt der Unterschied auf. Das Gehirn von uns Menschen ist sowas wie ein „Schweitzer Taschenmesser“, ein Allround-Gerät für alle
Gelegenheiten, sehr flexibel an alles mögliche anpassbar. Deshalb können wir uns - im Gegensatz zum Krokodil - auch für alle Regionen dieser Welt anpassen: von der Antarktis über den Urwald bis hin zur Wüste: wir Menschen haben wegen unserer Flexibilität im Gehirn alles erobern können. Selbst ein Leben im Weltraum ist heute bereits Realität - wenn derzeit auch nur für eine Hand voll Menschen.
Unser Gehirn hat immens viele Vorteile. Es hat aber auch Nachteile. Es braucht immens viel
Energie, man sagt bis zu 1/3 des gesamten Energiebedarfes des Körpers verbraucht nur das Gehirn alleine. Wir schleppen vermutlich viele Fähigkeiten mit uns mit, die als überflüssig gelten. Das macht unser Gehirn langsam und schwerfällig.
Deshalb gibt es bei uns Menschen die so genannte Schreck-Sekunde: wenn wir zum Beispiel beim Autofahren eine Gefahr sehen, dann brauchen wir noch drei Sekunden um mit der Bremsung zu beginnen.
Man könnte schon meinen, es war aus Verzweiflung.
Aber weil unser Gehirn so schrecklich langsam ist, haben wir einige Fähigkeiten aus dem Gehirn wieder heraus verlegt, zum Beispiel in das Rückenmark hinein. Damit wenigstens Dinge wie das Laufen schnell funktionieren. Viele unserer Reflexe sind gar nicht im Gehirn angelegt, sondern finden sich außerhalb wieder. Aus gutem Grund, denn die langsame Kiste namens Gehirn ist für manche Dinge einfach nicht zu gebrauchen.
Warum erzähle ich Ihnen eigentlich das alles ? Eigentlich ging es doch
um das Sehen. Und damit doch irgendwie um das Gehirn, welches ein Sehzentrum beinhaltet, mit welchem wir gucken können. Naja, weil das mit dem lernen schon so eine wichtige Sache ist, die unsere Leistungsfähigkeit bestimmt. Und weil wir den Trick mit dem zusätzlichen Gehirn anwenden, um weiter zu kommen.
Aber gut, zurück zum Thema. Im nächsten Bereich erzähle ich Ihnen die Geschichte vom Affen, der auf einen Baum klettern will und dazu das Sehen neu lernen muss. Und die Geschichte mit
dem Unterbewusstsein. Ist versprochen.
das Sehzentrum, das Unterbewusstsein - und ein Baum |