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Christian´s kleine Geschichte vom Sehen

Über die Augenlinse - und die Akkomodation:

Stellen Sie sich die Linse im Auge wie ein Plastik-Beutel mit Flüssigkeit vor. Die Flüssigkeit ist im Beutel gefangen, nichts kann rein oder raus. Um den Beutel herum sind im Kreis herum Muskeln angeordnet. Mit diesen Muskeln können wir den Beutel flach ziehen. Oder zusammen schieben, dass er bauchiger wird.

„So,“ denken Sie sich sicher, „in der Linse ist mal wieder ein Wässerchen ? Wässerchen mit wichtiger Bedeutung hatten wir doch schon einige. Was mag da wohl hinter stecken ?“

Und natürlich haben Sie recht. Wobei: ob das wirklich Wasser ist ? Das hängt von Ihrem Alter ab. Kurz nach der Geburt ist es wirklich flüssig wie Wasser. Und je älter wir werden, desto geringer wird es, starrer, bis aus der Flüssigkeit irgendwann Wackelpudding geworden ist. Und wenn dieser Wackelpudding noch fester geworden ist, dann ist der Mensch so alt geworden dass er eine Lesebrille benötigt.

Wie bitte ? Sie haben nichts verstanden ? Ja, verstehe, dann erzähle ich es Ihnen nochmal anders herum.

Unsere Augenlinse ist ein optisches Bauteil - eben eine Linse. Es ist nun eben nicht die einzige Linse im Auge: Sie erinnern sich sicher noch an das Kammerwasser welches von der Hornhaut zu einer Linse geformt wird und damit auch als optisches Bauteil wirkt. Da gibt es noch einige Linsen mehr im Auge, welche alle damit beschäftigt sind das Licht in das Auge hinein zu bündeln.

Diese Linse ist aber eben eine besondere Linse. Ganz besonders. Denn sie ist flexibel veränderbar.  Akkomodation nennen wir den Vorgang, und der geht so: Sie wollen in die Nähe sehen. Also braucht Ihr Auge viel Glaswert. Damit Licht aus der Nähe in das Auge hinein gebündelt werden kann ziehen sich die Muskeln um die Linse herum zusammen. Die Linse wird zusammen gedrückt und wird bauchig. Bekommt also mehr Krümmung. Und damit einen anderen, hohen Glaswert.

Wenn Sie jetzt ihn die Ferne blicken ist es anders herum: die Linse muss weniger Glaswert haben. Deshalb ziehen die Muskeln die Linse auseinander und machen sie flacher, weniger bauchig.

Stellen Sie sich das alles am besten wieder mit der Plastiktüte mit Wasser vor. Wenn Sie die Tüte am Rand anfassen und auseinander ziehen wird sie flacher, hat weniger Krümmung und deshalb weniger Glaswert. Schieben Sie die Tüte hingegen zusammen wird sie bauchiger, bekommt mehr Rundung, mehr Krümmung und damit mehr Glaswert.

Die Akkomodation ist also ein Mechanismus, mit welchem wir Menschen in verschiedene Entfernungen sehen können. Denn für jede Entfernung benötigt man eigentlich einen eigene Glaswert im Auge.

Ohne diesen Mechanismus könnten wir Menschen nur in eine einzige Entfernung blicken. Als Beispiel: ohne die Akkomodation könnten Sie vielleicht den Monitor gut lesen. Alles hinter dem Monitor wäre grausam unscharf, und alles vor dem Monitor, zum Beispiel Ihre Tastatur wäre auch bereits unscharf.

Weil sich die Flüssigkeit in der Plastiktüte im laufe des Lebens ändert und dickflüssiger wird, braucht man so nach und nach immer mehr Kraft um die Tüte zu drücken. Stellen Sie sich vor, in der Tüte wäre kein Wasser mehr sondern Wackelpudding. Sie müssten viel mehr Kraft aufwenden um die Tüte auseinander zu ziehen oder zusammen zu drücken. Der Blick in die Nähe wird den Menschen ab ca 45 Jahren immer schwieriger weil eben die Linse immer dickflüssiger geworden ist. Irgendwann ist´s dann zu anstrengend und der Mensch benötigt eine Lesebrille. Diese bringt den Glaswert mit, welchen der Mensch nun nicht mehr so richtig aufbringen kann. Die Lesebrille bietet ihm Entlastung und ermöglicht nun wieder das sehen in der Nähe was ihm sonst fehlen würde.

Das mit der Akkomodation... wenn an zum ersten mal in seinem Leben davon hört, erschließt es sich einem nicht unbedingt auf anhieb. Nehmen Sie sich ruhig ein wenig Zeit dafür. Dann werden Sie irgendwann zu dem Punkt kommen wo Sie sagen werden „man, man, man, ... scheiß die Wand an, ist das geil“.

Von der Akkomodation zur Refraktion: warum eine verträgliche Brille so schwierig ist lesen Sie im nächsten Bereich.
vom Muskel-drücken zur bestmöglichen Brille

weitere Kapitel: Christians kleine Geschichte vom Sehen

Inhalt:
Das unsichtbare Licht: über Röntgen, Infrarot und UV
Das unsichtbare Licht: warum können wir es nicht sehen ?
Das unsichtbare Licht: über den Menschen und die Natur
Das sichtbare Licht: empfindlich oder nicht
Warum gehört unser Fühlen und die Farbe zusammen ?
Welchen Nutzen hat die Farbe für Sie ? Von der Zauberei bis zur Angst
Warum wirkt die Farbe auf die Psyche ? Und wie funktioniert das ?
die Bedeutung des Lichtes
die Evolution, unser Gehirn und ein Fisch
von lernenden Fischen, Schülern und Krokodilen
die Nachteile unseres Gehirnes
das Sehzentrum, das Unterbewusstsein - und ein Baum
von Kühen, Pferden und dem räumlichen Sehen
das Gehirn und seine neuste Erfindung: das Bewusstsein
ein Gehirnlappen und seine Illusionen
das Unterbewusstsein: ein Gehirn hat ein Konflikt mit sich selber
das Auge: eine sehr schlechte Kamera ?
von Pfeilchen und Infekten: die Schutzmechanismen des Auges
der Tränenfilm: unerwartet genial
der Tränenfilm: vom Heulen bis zum Wunderheiler
die dunklen Geheimnisse eines Augenoptikers
Tränenfilm und Kontaktlinse: die Grundlage der Gesundheit
die Hornhaut: Stabilität ist alles
die Hornhaut: warum das Lasern Nachteile hat
das Kammerwasser: ein Zauberwasser
die Iris: was ist mit der Pupille ?
der Lochblenden-Effekt mit der Pupille: ein gutes Stück Magie
die Iris: zwischen Handauflegen und Früherkennung
die Iris: soziales HighTec
die Linse: von einem Plastikbeutel mit Muskeln
vom Muskel-drücken zur bestmöglichen Brille
Optiker lösen das Problem Sekundenschlaf
vom leichteren Lernen und besserer Konzentration
vom grauen Star und grünen Star - und der Operation
vom Glaskörper, gut und böse
die Netzhaut, der Knackpunkt det janzen
die Netzhaut, geschickt verknotet
die Netzhaut, Details die keiner will
das Sehen bei Nacht
die Hell/Dunkel Adaption. Und ihre Gefahren.
Papille und Blinder Fleck
Backstage: da geht es rund !
Backstage: korrigieren, regulieren, optimieren und etwas Zaubern
genial: blind sein und es nicht merken
was den Menschen zum Menschen macht

copyright Christian Berndt, Altena.  Alle Rechte vorbehalten

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